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Zwei Kinder halten Bücher über ihren Köpfen, Copyright: Pexels/Olia Danilevich28. September 2022

Mehr Bewegung in der Deutschstunde: Pilotschulen starten mit Übungen, die das Schreiben von Hand verbessern sollen

Mehr Bewegung im Deutsch- oder Matheunterricht soll künftig dabei helfen, damit sich Grundschulkinder länger konzentrieren können und ihnen das Schreiben wieder flüssiger von der Hand geht. Vier Pilotschulen starten deshalb in der letzten Septemberwoche ein Projekt, das eine Reihe von speziell ausgewählten Übungen vorsieht. Die Schulen zertifizieren sich damit zugleich als Schreibmotorik-Schule.

Zwei Kinder halten Bücher über ihren Köpfen, Copyright: Pexels/Olia DanilevichDas Sitzen auf dem Stuhl strengt an, der Stift in der Hand wird immer schwerer: Die sportarmen Unterrichtszeiten während der Corona-Pandemie sind an Schülerinnen und Schülern nicht spurlos vorbeigegangen: „Bewegung ist für uns ein großes Thema – gerade nachdem aufgrund der Pandemie viel Sport- und Schwimmunterricht ausgefallen ist“, sagt Judith Endisch, Referentin für den Fachbereich Sport bei der Regierung von Mittelfranken. „Wir merken nach der Corona-Pandemie, dass die Kinder im Unterricht schneller motorisch unruhig werden. Länger auf ihren Stühlen zu sitzen, fällt ihnen jetzt oft schwerer. Das führen wir auch auf mangelnden sportlichen Ausgleich zurück.“

Marianela Diaz Meyer weiß um die Auswirkungen – und die sind mitunter gravierend. „Je weniger sich Kinder bewegen, umso schwerer fällt ihnen oft auch das Schreiben“, sagt die Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts (Heroldsberg). Denn die Voraussetzungen dafür sind eine gute Grob- und Feinmotorik sowie eine gewisse Körperspannung. „Eine flüssige Handschrift ist aber elementar dafür, dass Kinder und Jugendliche dem Unterrichtsgeschehen überhaupt richtig folgen können.“

Dass sich die Probleme von Schülerinnen und Schülern beim Schreiben von Hand während der Corona-Pandemie deutlich verschärft haben, bestätigten auch zahlreiche Lehrkräfte in einer bundesweiten Umfrage. Im Sommer hatten das Schreibmotorik Institut und der Verband Bildung und Erziehung VBE die Ergebnisse der zum dritten Mal durchgeführten STEP-Studie vorgestellt. Als einen der Hauptgründe für die Schwierigkeiten beim Schreiben – oft auch körperlicher Art – nannten die Lehrerinnen und Lehrer vor allem den Bewegungsmangel während der Pandemie.

Die Kinder zu motivieren, lebenslang Sport zu treiben, ist Teil der Lehrpläne. Das soll jedoch nicht nur mit klassischem Sportunterricht gelingen, sondern verstärkt auch mit kleineren Bewegungseinheiten während des Unterrichts. Dafür wurde unter der Leitung des Schreibmotorik Instituts ein fächerübergreifendes Trainingsprogramm entwickelt, das ab Ende September an insgesamt vier Pilotschulen – in Mittelfranken, Niederbayern, in Frankreich und Luxemburg – eingeführt wird.

„Mit gezielten Übungen werden die zum Lernen notwendigen Kernkompetenzen wie das Schreiben, Lesen und Rechnen bei Schülern und Schülerinnen geschult“, erklärt Ergonomieexpertin Diaz Meyer das Projekt. „Dabei werden neben Deutsch und Mathematik die Fächer Sport und Musik ebenso einbezogen wie Werken und Gestalten.“ Auf Wackelbrettern oder Stelzen etwa kann man nicht nur den Gleichgewichtssinn trainieren, sondern erhöht auch die Körperspannung. „Dies alles soll dazu beitragen, Motorik, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit fächerübergreifend zu verbessern“, sagt Dr. Marianela Diaz Meyer. „Fehlt den Kindern eine gute Muskulatur, fällt es ihnen schwer, aufrecht zu sitzen. Dann wird sich im Unterricht auch gern mal auf dem Schultisch abgelegt“, weiß Judith Endisch.

Die Regierung von Mittelfranken ist ein Partner des Projekts Zertifikat Schreibmotorik-Schule (ZSS). Weitere sind die Regierung von Niederbayern, das Institut für Lerninnovation (ILI) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, aus Luxemburg das Centre pour le développement moteur (CDM), aus Frankreich die Ecole de la fontaine Seltz. Ziel des von der EU geförderten Erasmus+-Projekts ist es, bis Sommer 2023 ein Zertifizierungsprogramm mit modernen, wissenschaftlich fundierten Angeboten zu entwickeln wie Online-Fortbildungen, Beobachtungsinstrumente und einem Training.

„Wenn es um Bewegung geht, sind Kinder gerne dabei. Die Möglichkeit, immer wieder Aktivitäten in verschiedene Formen des Unterrichts einzustreuen, macht das Projekt so gewinnbringend“, sagt Pädagogin Judith Endisch. Teil dessen ist auch, dass die Schülerinnen und Schüler in einem Lerntagebuch festhalten, wo noch Verbesserungsbedarf besteht und wo bereits Fortschritte gemacht wurden. „Mit den Übungen haben Kinder und Lehrkräfte bereits nach kurzer Zeit Erfolgserlebnisse, die zum Weitermachen motivieren“, ergänzt Diaz Meyer.

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